KI-Sichtbarkeit messen Sie so: Sie stellen ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity dieselbe neutrale Branchenfrage, in der Ihr Firmenname bewusst nicht vorkommt. Dann zählen Sie, in wie vielen der Antworten Ihr Unternehmen genannt wird, und halten das mit Datum fest.
Diese eine Regel, den eigenen Namen nicht in die Frage zu schreiben, entscheidet darüber, ob Sie eine Messung haben oder eine Selbstbestätigung.
Die Methode kostet nichts ausser einer halben Stunde. Sie brauchen dafür kein Werkzeug und keinen Anbieter. Was Sie brauchen, ist Disziplin bei der Fragestellung und ein Blatt, auf dem Sie das Ergebnis festhalten.
Warum die naheliegende Prüfung nichts taugt
Die häufigste Selbstprüfung lautet: «Was weisst du über die Muster GmbH in Hamburg?» Darauf antwortet jedes System mit etwas. Es findet Ihre Website, liest sie und fasst sie zusammen. Das beweist nur, dass Ihre Seite erreichbar ist, nicht dass Sie empfohlen werden.
Ihre Kundschaft fragt anders. Sie fragt nach einer Leistung, nicht nach einer Firma: «Welche Anbieter für Fensterbau in Hannover würdest du empfehlen?» Genau das ist die Frage, die zählt, und nur in dieser Form ist die Antwort ein Signal.
Die Methode in fünf Schritten
- Fragen formulieren. Fünf bis zehn Fragen, jede in der Form Leistung plus Ort oder Problem plus Zielgruppe. Ihr Firmenname kommt in keiner davon vor.
- Umgebung säubern. Melden Sie sich ab oder nutzen Sie ein privates Fenster, damit weder Verlauf noch Konto die Antwort färben. Wer eingeloggt fragt, misst sein eigenes Nutzungsverhalten mit.
- Vier Systeme, gleiche Frage. ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity. Immer Wort für Wort dieselbe Frage, sonst vergleichen Sie Unterschiedliches.
- Treffer zählen. Pro System und Frage: genannt oder nicht genannt. Notieren Sie zusätzlich, an welcher Stelle Sie vorkommen und welche Quelle das System verlinkt.
- Protokollieren. Datum, Frage, System, Ergebnis, verlinkte Quelle. Eine Tabelle mit fünf Spalten genügt. Ohne Protokoll ist die nächste Messung nicht vergleichbar.
Welche Fragen Sie stellen
Gute Fragen klingen wie ein Gespräch, nicht wie eine Suchmaschineneingabe. Vier Muster, die sich in jeder Branche übertragen lassen:
- Leistung plus Ort: «Welche Elektriker in Basel arbeiten auch für Gewerbekunden?»
- Problem plus Zielgruppe: «Unser Onlineshop lädt langsam, wer kann so etwas in der Region Zürich beheben?»
- Vergleich: «Welche Anbieter sollte ich mir ansehen, wenn ich eine Firmenwebsite mit mehreren Standorten brauche?»
- Auswahlkriterium: «Worauf achte ich bei der Wahl eines Treuhänders in der Nordwestschweiz, und wen gibt es dort?»
Nehmen Sie die Formulierungen aus echten Telefonaten und Mails. Die Fragen, die Ihre Kundschaft tatsächlich stellt, sind besser als jede Liste aus einem Keyword-Werkzeug, weil die KI auf natürliche Sprache antwortet.
Was Sie zählen, und was Sie ignorieren
Zählen Sie drei Dinge: ob Sie genannt werden, an welcher Stelle, und ob das System eine Quelle verlinkt. Der dritte Punkt wird oft übersehen und ist der nützlichste. Wenn Perplexity in einer Antwort ein Branchenverzeichnis zitiert, in dem Sie nicht stehen, wissen Sie sofort, wo Ihre nächste Arbeitsstunde hingehört.
Ignorieren Sie den Wortlaut der Antwort. Er ändert sich bei jedem Aufruf, auch ohne dass sich an Ihrer Sichtbarkeit etwas geändert hat. Was zählt, ist die Nennung, nicht die Formulierung.
Vier Systeme, vier Verhalten
Die Systeme kommen auf unterschiedlichen Wegen zu ihrer Antwort, und das erklärt die meisten Abweichungen:
- Perplexity sucht in der Regel live im Web und zeigt Quellen an. Hier wirken frische Inhalte und Verzeichniseinträge am schnellsten.
- ChatGPT antwortet je nach Modus aus dem Modellwissen oder mit Websuche. Beides prüfen, das Ergebnis unterscheidet sich deutlich.
- Gemini hängt stark an Googles Verständnis Ihrer Firma, also an Unternehmensprofil, Verzeichnissen und der eigenen Website.
- Claude antwortet zurückhaltender bei Empfehlungen und nennt seltener konkrete Firmen. Keine Nennung heisst hier nicht automatisch keine Sichtbarkeit.
Deshalb misst man vier Systeme und nicht eines. Ein einzelnes System ist eine Stichprobe, vier ergeben ein Bild.
Die fünf häufigsten Messfehler
- Eingeloggt fragen. Verlauf und gespeicherte Angaben verfälschen die Antwort zu Ihren Gunsten.
- Den Firmennamen in die Frage schreiben. Damit ist das Ergebnis vorweggenommen.
- Einmal messen. Eine einzelne Antwort ist Zufall. Stellen Sie jede Frage an zwei verschiedenen Tagen.
- Ort und Sprache vergessen. Fragen Sie auf Deutsch und mit dem Ort, um den es geht. Eine Antwort für die Schweiz sagt nichts über München oder Wien.
- Nur den eigenen Namen suchen. Notieren Sie auch, wer stattdessen genannt wird. Diese Liste ist Ihre echte Wettbewerbsanalyse.
Wie oft messen
Einmal im Quartal genügt für die laufende Beobachtung, dazu je einmal vor und drei Monate nach einer grösseren Änderung an Website, Profil oder Verzeichnissen. Wichtig ist, dass Sie dieselben Fragen behalten. Wer die Fragen jedes Mal neu formuliert, misst jedes Mal etwas anderes.
Wenn Sie in mehreren Ländern arbeiten, messen Sie je Markt getrennt. Eine Nennung in einer Antwort für Basel sagt nichts darüber, wer in Hamburg oder Wien genannt wird, und die Unterschiede zwischen den Märkten sind grösser, als die meisten erwarten.
So sieht ein brauchbares Protokoll aus
Eine Tabelle mit sechs Spalten genügt, und sie darf ruhig in einer Tabellenkalkulation liegen:
- Datum: Tag der Abfrage, nicht der Monat.
- Frage: wörtlich, wie gestellt.
- System: ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity, mit Angabe, ob mit oder ohne Websuche.
- Genannt: ja oder nein.
- Stelle: an welcher Position in der Aufzählung.
- Quelle: welche Seite das System verlinkt hat.
Nach zwei Durchgängen sehen Sie Muster, die in einer einzelnen Antwort untergehen: dass immer dasselbe Verzeichnis zitiert wird, dass ein Wettbewerber in drei von vier Systemen auftaucht, oder dass Sie nur bei der Frage nach dem Ort genannt werden und nie bei der Frage nach dem Problem.
Grenzen der Methode
Diese Messung ist eine Stichprobe, keine Statistik. Sie zeigt eine Tendenz, keine Marktanteile. Antworten schwanken zwischen zwei Aufrufen, Systeme ändern ihre Modelle ohne Ankündigung, und Personalisierung lässt sich nie ganz ausschalten. Wer daraus eine Prozentzahl mit Komma macht, überzeichnet.
Trotzdem ist die Stichprobe wertvoll, weil sie den Unterschied zwischen «wir sind nirgends» und «wir sind bei zwei von vier dabei» sichtbar macht. Diese Unterscheidung reicht für jede Entscheidung, die Sie in den nächsten Monaten treffen müssen.
Was Sie mit dem Ergebnis machen
Aus der Messung folgt fast immer dieselbe Reihenfolge. Werden Sie nirgends genannt, fehlt meistens die Grundlage: unvollständiges Unternehmensprofil, uneinheitliche Firmendaten, kein Schema-Markup, Inhalte, die keine Frage beantworten.
Werden Sie in einem System genannt und in den anderen nicht, fehlen Erwähnungen auf den Quellen, die diese Systeme lesen. Werden Sie überall genannt, aber an letzter Stelle, geht es um Autorität: Bewertungen, Fachbeiträge, Nennungen bei Dritten.
In jedem Fall gilt: Notieren Sie den Ausgangswert, bevor Sie etwas ändern. Ohne Nullpunkt lässt sich später niemand ehrlich freuen.
Wenn Sie es nicht selbst machen möchten, fragen wir die vier Systeme für Sie live ab und zeigen Ihnen die ungefilterte Antwort, ohne Ihren Firmennamen vorzugeben: KI-Sichtbarkeits-Check.





