Schweizer Onlinekunden erwarten an der Kasse vor allem drei Zahlarten: TWINT, Debit- oder Kreditkarte und je nach Zielgruppe den Kauf auf Rechnung. TWINT zählt nach eigenen Angaben über 6 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer und verarbeitete 2025 rund 901 Millionen Transaktionen (Quelle: TWINT). Fehlt eine erwartete Zahlart, brechen Kaufwillige den Checkout im Zweifel ab und bestellen bei der Konkurrenz.
Dieser Praxis-Beitrag zeigt, welche Zahlarten in einen Schweizer Onlineshop gehören, wie Sie den Kauf auf Rechnung ohne Ausfall-Albtraum anbieten und was ein Payment Service Provider (PSP) für Sie erledigt. In KMU-Sprache, ohne Fachchinesisch.
Welche Zahlarten Schweizer Kundschaft erwartet
- TWINT: Die Bezahl-App ist in der Schweiz allgegenwärtig, mit über 6 Millionen aktiven Nutzerinnen und Nutzern nach Angaben von TWINT. Wer TWINT nicht anbietet, verzichtet freiwillig auf den bequemsten Bezahlweg vieler Kundinnen und Kunden.
- Debit- und Kreditkarten: Visa und Mastercard, zunehmend auch als Debitkarten der Banken, sind der internationale Standard und gehören in jeden Shop.
- Kauf auf Rechnung: In der Schweiz traditionell beliebt, besonders bei älterer Kundschaft, bei höheren Warenkörben und im B2B. Dazu unten mehr.
- Apple Pay und Google Pay: Laufen technisch über die Kartenschiene und sind bei vielen Providern ohne Mehraufwand aktivierbar. Auf dem Handy verkürzen sie den Checkout deutlich.
- PayPal: In der Schweiz weniger zentral als in Deutschland, aber sinnvoll, wenn Sie auch ins Ausland verkaufen.
Faustregel: TWINT plus Karten ist das Minimum für einen Schweizer Shop. Kauf auf Rechnung ergänzen Sie, sobald Ihre Zielgruppe danach verlangt oder die Warenkörbe grösser werden.
Kauf auf Rechnung: Klassiker mit eingebautem Risiko
Der Kauf auf Rechnung senkt die Hemmschwelle: Die Kundin erhält die Ware, prüft sie und zahlt erst danach. Genau das ist aber auch das Risiko für Sie als Händler: Sie liefern in Vorleistung und tragen das Ausfallrisiko samt Mahnwesen, wenn nicht bezahlt wird.
In der Praxis gibt es zwei Wege:
- Selbst abwickeln: Sie stellen die Rechnung selbst und übernehmen Bonitätsrisiko und Mahnläufe. Das passt für B2B, Stammkundschaft und überschaubare Bestellmengen.
- Über einen Anbieter mit Zahlungsgarantie: Spezialisierte Rechnungs-Anbieter oder PSP-Zusatzmodule prüfen die Bonität im Checkout, zahlen Ihnen den Betrag aus und übernehmen das Ausfallrisiko, gegen eine transaktionsabhängige Gebühr. Sie verkaufen ohne Risiko, geben dafür eine Marge ab.
Pragmatischer Mittelweg: Schalten Sie den Rechnungskauf gezielt frei, zum Beispiel erst ab der zweiten Bestellung, für Firmenkunden oder bis zu einem definierten Warenkorb-Limit. So bekommen die richtigen Kunden ihre Lieblings-Zahlart, ohne dass Sie das volle Risiko tragen.
PSP-Grundlagen: Wer wickelt die Zahlung eigentlich ab?
Ein Payment Service Provider (PSP) ist der Dienstleister zwischen Ihrem Shop und den Zahlungsnetzwerken. Er stellt die Bezahlseite oder das Zahlformular bereit, autorisiert die Zahlung, prüft auf Betrug (etwa mit 3-D Secure), sammelt die Beträge und zahlt sie gebündelt auf Ihr Konto aus. Ohne PSP müssten Sie mit jeder Kartenorganisation und jedem Anbieter einzeln Verträge schliessen.
Im Schweizer Markt sind unter anderem Payrexx, Datatrans, Wallee und PostFinance Checkout etabliert, dazu internationale Anbieter wie Stripe sowie plattformeigene Lösungen wie Shopify Payments. Welche Lösung passt, hängt von Ihrem Shopsystem und Ihren Zahlarten ab. Achten Sie bei der Auswahl auf:
- TWINT-Unterstützung: Nicht jeder internationale Anbieter bindet TWINT direkt an. Für einen Schweizer Shop ist das ein K.-o.-Kriterium.
- Auszahlung in Franken auf ein Schweizer Konto: Sonst zahlen Sie bei jeder Auszahlung Wechselkurskosten.
- Gebührenmodell: Üblich sind eine prozentuale Gebühr plus ein Fixbetrag pro Transaktion, teils ergänzt um ein Monatsabo. Die Konditionen unterscheiden sich je nach Anbieter, Zahlart und Umsatz; verlangen Sie die aktuelle Preisliste.
- Integration in Ihr Shopsystem: Ein fertiges, gepflegtes Plugin spart Einrichtungs- und Wartungsaufwand.
- Kauf-auf-Rechnung-Modul: Falls Rechnungskauf geplant ist, sollte der PSP ihn direkt oder über einen Partner unterstützen.
Tipp: Vergleichen Sie Gebühren nie nur am Prozentsatz. Rechnen Sie das Modell auf Ihren typischen Warenkorb hoch: Bei kleinen Beträgen wiegt der Fixbetrag pro Transaktion schwerer, bei grossen der Prozentsatz.
Das pragmatische Setup für den Start
- TWINT und Karten über einen PSP anbinden: Das deckt die Erwartung der meisten Schweizer Kundinnen und Kunden ab.
- Apple Pay und Google Pay aktivieren: Wenn der PSP sie unterstützt, sind sie meist ohne Zusatzaufwand dabei und beschleunigen den mobilen Checkout.
- Kauf auf Rechnung gezielt anbieten: Selbst abwickeln oder mit Zahlungsgarantie, je nach Zielgruppe und Risikoappetit.
- Checkout schlank halten: Gast-Checkout ermöglichen, wenige Pflichtfelder, alle Kosten transparent vor dem letzten Klick.
- Jede Zahlart selbst testen: Machen Sie vor dem Go-live mit jeder aktivierten Zahlart eine echte Testbestellung, inklusive Rückerstattung.
Häufige Fragen
Muss mein Onlineshop TWINT anbieten?
Praktisch ja. TWINT zählt nach eigenen Angaben über 6 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer in der Schweiz (Quelle: TWINT) und ist für viele der bequemste Bezahlweg. Ein Schweizer Shop ohne TWINT verschenkt Umsatz an der Kasse.
Was kostet ein Payment Service Provider?
Die Kosten sind transaktionsabhängig: üblich sind eine prozentuale Gebühr plus ein Fixbetrag pro Zahlung, je nach Anbieter ergänzt um ein Monatsabo. Die konkreten Sätze unterscheiden sich nach Anbieter, Zahlart und Umsatzvolumen; verlassen Sie sich nur auf die aktuelle Preisliste des jeweiligen Anbieters und rechnen Sie das Modell auf Ihren typischen Warenkorb hoch.
Kann ich Kauf auf Rechnung ohne Ausfallrisiko anbieten?
Ja, über Anbieter mit Zahlungsgarantie: Sie erhalten Ihr Geld ausbezahlt, der Anbieter übernimmt Bonitätsprüfung, Mahnwesen und Ausfallrisiko, gegen eine Gebühr pro Transaktion. Alternativ schalten Sie den Rechnungskauf nur für geprüfte Kundengruppen frei und wickeln ihn selbst ab.
Reicht PayPal für einen Schweizer Onlineshop?
Nein. PayPal ist in der Schweiz eine Ergänzung, vor allem für Kundschaft aus dem Ausland. Den Kern des Schweizer Payment-Setups bilden TWINT und Karten, je nach Zielgruppe ergänzt um den Kauf auf Rechnung.
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